Goodbye Deutschland! Wie man einen Umzug ins Ausland vorbereitet

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Plötzlich stehst du vor der Aufgabe, die eigenen Siebensachen zusammenzupacken und dabei so wenig mitzunehmen wie möglich. Das ist ziemlich anders als jeder andere Umzug zuvor – da hatte man doch seine 376 vollgepackten Umzugskartons, die so gerade in den Transporter passten. Und am Ende des Tages konnte man seinen gesammelten Lieblingskram in der neuen Wohnung wieder schön einrüseln. Aber unabhängig davon, wohin man zieht, ist die große Frage ist doch eigentlich: Brauche ich das alles?

Teil 2 unserer Auswanderung bestand aus: Listen machen, planen, verkaufen, sortieren & einlagern. Bevor wir uns um die wichtigsten Dinge in den USA kümmern konnten (Wohnung, Auto, Versicherung), mussten wir ja erstmal unsere Zelte in Deutschland abbrechen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn man Kinder hat und der Haushalt dementsprechend größer ist – gereicht haben unsere 65 Quadratmeter für zwei Personen, um mich völlig zu schaffen!

Ärmel hochkrempeln und loslegen

Rückblickend kann ich sagen: Plant genug Zeit ein, um euren Haushalt umzuorganisieren. Wir haben im Herbst/Winter 2015 angefangen, die ersten Sachen zu verkaufen, zu verschenken und zu entsorgen. Haben dann im Januar unseren Flug gebucht und mussten Anfang März fertig sein. Wenn eure Tage 38 Stunden haben, ist das ein valider Plan. Ansonsten würde ich (natürlich je nach Haushaltsgröße) sagen: Nehmt euch mindestens ein halbes Jahr, in dem ihr jeden Tag ein bisschen, vielleicht eine Stunde, dem Aufräumen widmet. Und vergesst nicht, dass nebenbei auch noch andere tägliche Aufgaben anfallen: Man muss sich um Papiere kümmern (auch für die Abmeldung in Deutschland!), um eben erwähnte Versicherungen, eine neue Wohnung.

Dabei ist Organisation das A&O. Listen schreiben hilft! Schreib dir einen groben Wochen-Zeitplan und dazu (in etwa) hundertfünfzig To-Do-Listen. Bei uns sah das zum Beispiel so aus: Ich habe im Keller angefangen, dann in Küche und Wohnzimmer weitergemacht und schließlich das Schlafzimmer ausgemistet. Am Ende solltest du von jedem einzelnen Gegenstand in dem betreffenden Raum wissen, was damit passieren soll.

Abschied nehmen

Der Abschied von Familie & Freunden kommt ja erst später, aber der erste Schritt ist: Verabschiede dich von deinem Kram. Ich hatte das Glück, dass meine Freundin Iris noch einen Platz an ihrem Flohmarktstand für mich hatte und ich dort schonmal viele Dinge verkaufen konnte. (Das, was ich nicht verkauft habe, ging dann letztlich im Münsteraner Regen unter, aber das ist eine andere Geschichte…) Am Ende des Tages hatte ich jede Menge Ballast aus dem Keller weggeschafft und knapp 400 Euro mehr in der Hand. Kling gut, oder?

Natürlich ist das alles nicht so einfach, wenn man in erster Linie gar keine Lust hat, seine Sachen loszuwerden. Ich habe selbst auch viele Dinge eingelagert; wir haben lange nicht alles entsorgt, was wir in unserer Wohnung hatten. Wer generell Lust hat, seinen Haushalt ein bisschen ordentlicher und übersichtlicher zu machen und nicht richtig weiß, wo er anfangen soll – hier zwei Tipps für euch, die mir ganz gut geholfen haben!

  1. Drei große Kisten und ein Einbrecher. Wenn du beim Ausmisten richtig organisiert zur Sache gehen willst, nimm dir drei Kisten zur Hilfe: Eine für ‚“Behalten“, eine für „Weg damit“ und eine für „Einmotten“. Stell dir dann vor, jemand bricht bei dir ein. Schau dir beim Ausräumen jeden einzelnen Gegenstand in deiner Hand an und frag dich: Wenn der Einbrecher das hier mitnehmen würde – würde ich es ersetzen? Wenn du diese Frage eindeutig mit ja beantwortest – behalten! Wenn du dir nicht sicher bist – weg damit! Und wenn du sagst, du kannst es nicht ersetzen (mal angenommen, es ist dein Teddy aus Kindertagen) – dann kommt es in die „Einmotten“-Kiste. Die du am Ende natürlich möglichst weit weg von echten Einbrechern lagern solltest 🙂 Eigentlich ist der Trick, nur eine einzige Kiste mit solchen Erinnerungen zu haben. Ich gebe zu, ich habe zwei – eine ganze Kiste ist nämlich unseren Hochzeitserinnerungen gewidmet. Upsi.
  2. Fotos machen. Ich habe letztens in der flow gelesen, dass man viele Gegenstände einfach nur behält, weil die damit verknüpften Erinnerungen so schön sind. Und dass man, um dieses schöne Gefühl zu bewahren, auch ein Foto von diesem Gegenstand machen kann. Das klappt bei mir nicht mit allen Dingen – manchmal zum Beispiel ist ja an einem Pullover der Geruch das Beste, kennt ihr das? Aber bei vielen alten Sachen klappt das gut. Apropos Bilder/fotografieren: Es hat mich auch eine Ewigkeit gekostet, meinen ganzen Papierkram zu sortieren und zu scannen. Aber man muss eben auch daran denken, dass man irgendwann seine Steuererklärung aus den USA machen muss und dass Papier insgesamt so schwer ist, dass es viel mehr Sinn macht, alle wichtigen Dokumente einzuscannen und auf einem handlichen USB-Stick mitzunehmen.

Sich helfen lassen

Wie schon erwähnt hatten wir unseren Zeitplan ziemlich mutig…nein, optimistisch…nein, einfach vollkommen naiv aufgestellt. Wir hatten großes Glück, dass wir für unsere Wohnung einen Nachmieter gefunden haben, der sehr viele Möbel übernommen hat. Zugegeben, in Münster ist es nicht besonders schwierig, seine Wohnung abzugeben und dabei selbst die Regeln zu machen, weil der Wohnungsmarkt einfach so schwierig ist. Wir haben also die Einbauküche, den Kleiderschrank, Lampen, Esstisch und Sofa komplett in der Wohnung gelassen. Unser Nachmieter hat für einen fairen Preis tolle Möbel bekommen (von der wunderschönen Wohnung ganz zu schweigen!) und wir nochmal ein Plus auf unser Auswandererkonto.

Eine Woche vor dem geplanten Umzug rief meine Schwiegermutter an und fragte, ob sie und mein Schwiegerpapa nach Münster kommen sollen, um zu helfen. Unsere Antwort: „Ach Quatsch, das braucht ihr nicht! Danke!“ Zwei Tage vor dem geplanten Umzug rief ich sie an – „Könnt ihr BITTE herkommen und uns helfen?“ Ich hatte die ganze Woche kaum geschlafen, es standen überall halb gepackte Umzugskartons, wir hatten uns völlig verzettelt. Einfach, weil wir das Gefühl hatten, schon so viel Zeit mit dem Ausmisten verbracht zu haben. Ohne meinen Schwager und seine Freundin, die beide einen ganzen Tag lang unermüdlich Kisten geschleppt haben, wären wir vollkommen verloren gewesen. Ich habe tatsächlich die letzten Kisten vollgemacht, als die beiden Männer schon die erste Ladung Möbel zum Sperrmüll brachten.

Wir haben daraufhin die gesamte Woche vor unserem Abflug bei meinen Schwiegereltern mit Sortieren verbracht. Die beiden haben sicherlich das ein oder andere graue Haar dazubekommen, weil sich im Wohnzimmer tagelang Unmengen Kisten türmten. So war das nicht gedacht! Mit kaum Schlaf und jeder Menge Anstrengung haben wir es dann geschafft, noch vorm Abflug alles in den Keller zu räumen, was wir behalten wollten, alle Dokumente einzuscannen, unsere beiden Koffer zu packen und (!) eine Abschiedsparty für die Familie zu feiern. Ich fühle mich selbst heute noch erschöpft, wenn ich es nur aufschreibe.

Der große Vorteil an einem Zwei-Koffer-Umzug? Wir sind hier in Amerika absolut flexibel. Wie schwierig das mit der Wohnungssuche hier war und ist, erzähle ich euch im nächsten Teil.

Ich hoffe, ihr habt Lust bekommen, auch bei euch mal so richtig aufzuräumen!

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