Goodbye Deutschland! Wie man eine Auswanderung plant

GlückReisen

Ich wurde in den letzten Monaten schon viele, viele Male nach unserer Auswanderung gefragt und gebeten, mal ein bisschen von meinen Erfahrungen zu erzählen. Wer also selbst mit dem Gedanken spielt, Deutschland zu verlassen und in einem anderen Land nochmal von vorn anzufangen, der darf gerne weiterlesen!

Eines muss ich unbedingt vorweg sagen: Ich kenne eine Menge Leute – ja, wirklich mehr, als mir lieb ist! – die ins Ausland ziehen, weil sie in Deutschland nicht glücklich sind und es auch nicht werden. Sie finden die Leute doof, das Wetter, einfach alles. Dazu kann ich euch sagen: Wenn das Wetter euch nervt, ist es durchaus eine Überlegung wert, die Koffer (oder die Umzugskisten) zu packen! Wenn ihr Probleme habt mit eurer Familie und euch selbst, bleibt verdammt nochmal da. Die schlechte Nachricht ist nämlich: Wenn du dich nicht mit deinen Liebsten auseinandersetzen kannst, wenn du unglücklich bist mit dir selbst, deinem Job, deiner Zukunftsperspektive, dann wird eine Auswanderung nicht helfen. Wenn du dich immer in die falschen Typen verguckst, dann löst du dein Problem nicht, indem du in ein anderes Land gehst. (Spoileralarm: Du wirst auch dort immer an die falschen Männer geraten.) Das klingt zwar nicht besonders verlockend, aber viele Gründe für eine Auswanderung müssten eigentlich auf die unbequeme Weise, nämlich hier bei dir zu Hause und mit dir selbst, gelöst werden. Wobei ich nicht behaupten kann, dass eine Auswanderung bequem ist.

Ab nach Amerika

Bei meinem Mann und mir war es so: Wir waren zusammen ein paar Mal in den USA im Urlaub und hatten unser Herz an Kalifornien verloren. Nach dem letzten Urlaub schlug er vor, bei der Greencard Lottery mitzumachen. Da gewinnt jedes Jahr aus jedem Land der Erde eine bestimmte Anzahl von Leuten die Möglichkeit, eine Greencard zu beantragen. Die Wahrscheinlichkeit, dort gezogen zu werden, ist relativ gering – weil die Aussicht auf eine Greencard die unkomplizierteste Art ist, nach Amerika zu kommen und dort Fuß zu fassen, bewerben sich jedes Jahr Millionen von Menschen.

Mein Mann und ich meldeten uns also im November 2014 beide bei der Lottery an (die Teilnahme ist übrigens kostenlos). Dazu muss man sagen, dass mein Mann der größte Glückspilz ist, den die Welt je gesehen hat. (Neeeeein, nicht, weil er mich geheiratet hat!) Ich kann die Gewinnspiele schon gar nicht mehr zählen, bei denen er gewonnen hat. Und so saßen wir dann im April 2015 vor dem Computer, um nachzusehen, ob wir Glück hatten und Richtung kalifornische Sonne starten konnten. Ihr ahnt es schon, wir waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht verheiratet. Um es kurz zu machen: Ich wurde abgelehnt, mein Mann nicht. Zehn Minuten später kam unsere Lieblingsnachbarin mit einer Flasche Champagner vorbei und so saßen wir, alle drei in stilechter grauer Jogginghose, bis spät in die Nacht am Küchentisch und konnten gar nicht glauben, was da in Zukunft alles passieren sollte.

Acht Wochen später heirateten wir. Und obwohl manch einer spöttisch behauptete, wir hätten jetzt ja auch „gemusst“, kann ich nur sagen: Die Hochzeit war der Anfang eines Abenteuers, von dem wir beide ganz bewusst entschieden haben, dass wir es zusammen bestreiten und erleben wollen. Und etwas Romantischeres kann ich mir kaum vorstellen!

Und um noch einmal auf die anfangs angesprochenen Gründe für eine Auswanderung zurückzukommen: Wir waren beide in jeglicher Hinsicht flexibel und ungebunden – keine Kinder, keine Haustiere, kein Wohneigentum, ich flexibel im Job, mein Mann frisch von der Uni, beide mit riesig Lust auf Sonne und Abenteuer. Es sprach einfach nichts dagegen.

„Bitte wenden Sie sich mit Formblatt 2635XY an Schalter 20967 im zehnten Stock!“

Nach der Hochzeit schickten wir beide als Ehepaar unsere Unterlagen an das amerikanische Konsulat. Die Formulare waren jeweils so zwanzig Seiten lang und brachten mich schier zur Verzweiflung. Eine kleine Kostprobe? ‚Nennen Sie alle Arbeitgeber mit Namen und Anschrift, bei denen sie in den vergangenen zehn Jahren beschäftigt waren‘. Habt ihr eine Vorstellung davon, wie viele Studentenjobs ich hatte?!?! Ungefähr einen pro Woche! Oh je!

Diese Formulare waren jetzt also unser Antrag auf eine Greencard. Um diese zu bekommen, mussten wir noch zu einem Termin vor Ort in Frankfurt zum US-Konsulat; vorausgesetzt, unser Antrag wurde von den amerikanischen Behörden in Kentucky angenommen.

Im Januar 2016 war es dann soweit – morgens um 8 Uhr sollten wir in Frankfurt sein. Bis dahin mussten noch eine Menge Formalia abgearbeitet werden – beispielsweise eine Tuberkulose-Untersuchung bei einem Arzt in Dortmund, der eigens dafür zertifiziert war. Fotos, Reisepässe und Auskünfte über unser Vermögen mussten wir auch mitbringen. Ich war so aufgeregt wie zuletzt bei meiner Uni-Abschlussprüfung. Und wie das so ist, wenn man total seriös wirken will, habe ich mich wirklich merkwürdig benommen. Zum Beispiel durfte man ins Konsulat keine Handys oder Laptops mitnehmen. In meiner Aufregung habe ich dann die Adresse der Freundin in San Francisco, an die unsere Unterlagen geschickt werden sollten, auf eine alte BVB-Weihnachtskarte gekritzelt. Weil eben nichts anderes da war. Nun ja, so stand ich dann eben bei diesem wichtigen Termin im Konsulat und überreichte dem Mitarbeiter, der nach der Adresse in den USA fragte…eine zerknitterte schwarzgelbe Weihnachtskarte. Sehr professionell!

Worauf ihr vor einer Auswanderung unbedingt achten solltet

  1. Wie schon erwähnt – fragt euch in einer ruhigen Minute selbst, warum ihr eigentlich weg wollt. Seid ihr glücklich und wünscht euch für euer Leben noch die Kirsche auf der Sahnetorte? Dann habt ihr die besten Voraussetzungen für eine aufregende Zeit im Ausland.
  2. Informiert euch über das Land, in dem ihr leben möchtet, und vor allem über die Visa- und Einreisebestimmungen. Und zwar penibel! Schreibt euch auf, wann ihr was braucht, damit ihr keine Fristen verpasst oder Dokumente verschludert. To Do-Listen sind super wichtig, am besten sammelt ihr eure Aufgaben und euer Wissen digital, zum Beispiel bei Evernote oder Trello. Ich selbst gehöre nicht unbedingt zu den organisiertesten Menschen, aber es kommt so viel auf euch zu, dass ihr einfach ordnen und sortieren müsst! (Und seien wir mal ehrlich, das ist doch auch eine Fähigkeit, die man im Leben gut gebrauchen kann, oder?)
  3. Kommunikation ist einfach alles. Und damit meine ich: Wenn ihr mit jemandem zusammen auswandert, ist es extrem wichtig, zu sprechen. Und zwar andauernd. Über so profane Dinge wie ‚Wo wollen wir eigentlich wohnen?‘ (wenn das, je nach Situation, nicht sowieso schon durch den Job geregelt wird), ‚Wie wollen wir wohnen?‘, ‚Was brauchen wir alles?‘ zu so tiefgreifenden Fragen wie ‚Kannst du dir vorstellen, für immer wegzugehen?‘ oder ‚Wovor hast du am meisten Angst?‘. Mindestens genauso wichtig sind Gespräche mit denjenigen, die euch am nächsten sind. Familie, Eltern, Geschwister, beste Freunde. Auch wenn eine furchtbar stressige Zeit anbricht, sollte man immer Zeit für sie haben. Und das ist etwas, das ich heute definitiv anders machen würde beziehungsweise letztes Jahr vollkommen falsch gemacht habe. Viele Menschen, die euch lieben, werden sich allein gelassen fühlen. Das ist einfach so. Ich habe in meiner eigenen Aufregung viel zu selten das Gespräch gesucht, um zu hören, wie die Menschen, die ich am liebsten hab, eigentlich mit dem Gedanken umgehen, dass ich bald so elend weit weg wohnen werde und 9 Stunden Zeitverschiebung zwischen uns liegen. Ja, ich weiß, viel zu reden bedeutet auch immer, dem anderen total nahe zu kommen. Gruselig, oder? Aber so ist das mit einer Auswanderung – sie bringt einfach alle Emotionen an die Oberfläche, positive wie negative. Und wenn ihr nicht gerade auswandert, weil ihr eine Großfamilie abgemurkst habt und sowieso jegliche Stricke nach Deutschland kappen wollt, dann sucht die Nähe zu den Menschen, die ihr in eurem Leben behalten wollt. Und wer will schon, dass seine Zuneigung über die Ozeane hinweg als selbstverständlich angesehen wird?
  4. Plant bloß genug Zeit ein, um euren Haushalt aufzulösen und alles Notwendige zu erledigen. Mit diesem Punkt geht es im nächsten Teil weiter: Was genau ist eigentlich zu tun vor so einer Auswanderung und wie haben wir das (eher schlecht als recht, soviel sei verraten!) gemeistert?

Ich freu mich, von euch zu hören – gibt es ein Land, von dem ihr träumt und in dem ihr leben möchtet? Oder seid ihr vielleicht selbst ausgewandert? Was habt ihr dabei gelernt und wie es euch ergangen?

Comments (13)

 

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  • Ohhh Marina!
    Das hast du so schön geschrieben, dass ich ab und zu Gänsehsut bekommen habe! ❤️ Ich will zwar nicht auswandern, aber deine Tipps sind genial! Vorallem auch, weil du das zwischenmenschliche aussprichst! Und weil du auch sagst, dass es nichts nützt, wenn man vor etwas flüchtet! Echt super!!
    Und überhaupt schön von dir zu lesen, denn du bist mir einfach ganz fest ans Herz gewachsen! ❤️
    Schlafe gut! 😘
    Liebste Grüße
    Maria!

    • Hallo meine liebe Maria, das ist aber ein riesengroßes Kompliment, deine Gänsehaut! 🙂 Vielen lieben Dank!
      Und ich bin jeden Tag froh, dass wir uns hier gefunden haben und ich dich mit meinem Computer und Handy überall mit hinnehmen kann! Hihi! 🙂
      Ich hoffe, du hattest (oder hast?) einen tollen Urlaub und es geht dir ganz wunderbar. Ich drück dich feste! <3

      Deine Marina

  • Super schön geschrieben! Ich freue mich schon riesig darauf mehr von dir und Eurer spannenden neuen Welt zu lesen! Danke für die tollen Anregungen und Tipps zu diesem Thema. Für mich ist klar: erst mal viel Reisen, sobald es möglich ist und dann den schönsten Ort am Meer suchen, wo man sich zu Hause fühlt. Wer weiß, wo dieser Ort auf der Weltkugel liegt?! Küsschen 💋

    • Danke liebste Niike! Ich bin mir ganz sicher, dass du diesen Ort finden wirst. Und wenn es bei dir irgendwann mal passt, bist du in unserem Strand-Zuhause immer herzlich willkommen!
      Ich freu mich schon, bei deiner Entdeckungsreise dabei zu sein 🙂
      Alles Liebe <3

  • Sehr aufregend! Unglaublich, dass ihr bei der Verlosung gewonnen habt! Es ist wirklich toll, dass du über euer Auswandern schreibst und ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung. Ich könnte es mir in ein paar Jahren durchaus vorstellen, mal auszuwandern. Am Meer zu leben wäre für meinen Mann und mich schon sehr verlockend.
    Liebe Grüße in die Ferne, Kirsten

    • Ich finde, man merkt dir immer total an, wie glücklich dich das Meer macht! Aber der Ruhrpott is eben auch einzigartig, woll. 🙂
      Ich drück dich über den großen Teich und freu mich riesig, dass dir der Post gefallen hat!

  • Soo endlich hab ich die Zeit gefunden 🙂 das ist wirklich gut geschrieben! Grade in Hinblick auf diese vielen, vielen sehr naiven Auswanderer die vor irgendwas weglaufen! 🙂
    Ich bin gespannt wie es bei euch weiterging 🙂 LG Bina

    • Liebe Bina,

      freut mich sehr, dass du den Post gelesen hast! Zugegeben, ich hatte auch schon eine Phase in meinem Leben, in der ich alles doof fand und dachte, die einzige Lösung sei eine Auswanderung. Zum Glück kam dann doch alles ganz anders – aber deswegen fand ich es so wichtig, das mit zu erwähnen 😉

      Liebe Grüße & einen schönen (kreativen) Sonntagabend!

      Marina

  • Super super interessant! Ich bin schon auf weitere Berichte gespannt!
    Du musst deinen Blog unbedingt bei Bloglovin anmelden. Ansonsten ist es echt schwer dir zu folgen.

    Ganz liebe Grüße nach Kalifornien (ist auch mein großer Traum!)
    Ines

    • Liebe Ines,

      vielen lieben Dank 🙂 Wir sind gerade – wieder einmal – umgezogen, aber ich habe deinen Kommentar schon vor einiger Zeit gelesen und mich sehr gefreut!

      Danke für den Tipp, ich schau es mir gleich mal an! Hab einen wundervollen Abend!

      Liebe Grüße, Marina

  • Ich bin gerade durch Instagram auf dich aufmerksam geworden und finde du schreibst klasse!
    Bin selbst auch vor eineinhalb Jahren ausgewandert und finde es toll von anderen Auswanderern zu lesen..auch wenn USA noch mal etwas anderes als in meinem Fall Frankreich ist. 😉
    Ihr habt meinen vollsten Respekt dass ihr die Auswanderung durchgezogen habt und ich Wünsche euch weiterhin ganz viel Spaß, kraft und etwas Glück für die weiteren Etappen 🙂
    Franzi

    • Hallo liebe Franzi,

      jetzt bin ich ENDLICH (!!!) mal dazu gekommen, bei dir vorbeizuschauen – und muss sagen, Respekt, du machst ja Sachen 😀 Ich musste weder eine neue Sprache lernen (und mit Französisch tue ich mich echt schwer, obwohl ich ein paar Monate in Bordeaux gewohnt habe) noch mich total umgewöhnen, was die Umgebung angeht. Ich hab dich zum Glück auch bei Instagram gefunden und bin schon gespannt, wie es bei dir weitergeht. Danke für deine lieben Wünsche – und alles, alles Liebe für dich nach Frankreich! <3