Kann Arbeit richtig glücklich machen? Teil 3: Schniike Niike

Glück

Und schon sind wir bei Teil 3 der Reihe „Kann Arbeit richtig glücklich machen?“ angekommen! Heute machen wir uns mit Kommunikationsdesignerin und Kulturpädagogin Niike auf die Suche nach dem großen Glück. Und ich freue mich, dass ich wieder eine richtig spannende Geschichte für euch habe!

Liebe Niike, erzähl doch mal ein bisschen von deinem Job!

Ich habe erst Kommunikationsdesign und dann Kulturpädagogik studiert. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass sich beides hervorragend kombinieren lässt: In Kulturpädagogik hatte unter anderem Fächer wie Marketing, Management, BWL, Psychologie und Veranstaltungsmanagement, aber auch sämtliche künstlerischen Fächer (Musik, Tanz, Theater und Kunst.). Spezialisiert waren alle diese Fächer auf den sozialen und kulturellen Bereich – also Non-Profit-Organisationen. Mir fehlte aber irgendwie die Verknüpfung zu dem, was mich innerlich antrieb.

In einem meiner letzten Seminare ging es dann um die Themen Anerkennung, Würde und Wertschätzung. Und plötzlich war die Verbindung da: Ich wusste aus eigener Erfahrung, dass der Mensch im Arbeitsumfeld überwiegend auf Leistung reduziert wird; in den letzten Jahrzehnten hat sich in der Arbeitswelt etwas breitgemacht, was zu unzähligen Krankheiten wie zum Beispiel Burnout führt. Das Wesen des Mitarbeiters, seine Bedürfnisse und Vorlieben, spielen keine Rolle mehr.

Ich fing an, Tanztheater für Senioren und junge Erwachsene sowie kreativen Kindertanz zu unterrichten. Ich wollte so ein neues (altes) Bewusstsein für den eigenen Körper und das Selbst schaffen. Nun bin ich Dozentin für Tanztheater an der Hochschule, an der ich vorher studiert habe. Aber ich wollte vor allem eine Verbindung zu Unternehmen schaffen!

Das scheint dir bis heute gelungen zu sein!

Ja, denn Anfang 2015 kam mein Freund Christian in mein Leben. Er hat BWL mit Schwerpunkt Marketing und Unternehmensführung studiert. Auch er träumte immer davon, sich selbstständig zu machen. Perfekt!

Wir haben unsere Ideen kombiniert und die Marketing-Agentur FREYMUTH gegründet. FREYMUTH verwirklicht kulturelle und soziale Kampagnen für Unternehmen. Wir haben Kulturpädagogik, Kommunikationsdesign und Marketing zusammengeführt und können mit Hilfe eines Kollektivs (das wir zu diesem Zweck auch gegründet haben), bestehend aus Designern, Programmieren, Künstlern, Versicherungskaufleuten, Beratern und Veranstaltungskaufleuten, große Kampagnen verwirklichen. Alle arbeiten auf selber Stufe zusammen an Projekten, die ihnen Spaß machen. Es gibt keinen Boss. Es gibt keinen, der an einem Projekt teilnimmt, das ihm keinen gefühlten Mehrwert bringt. Jeder ist selbstständig und kann zu seiner Expertise die Leistungen des gesamten Kollektivs anbieten. Jeder zieht für alle Kollektivler Projekte an Land. Das macht richtig Spaß! Bei FREYMUTH mache ich überwiegend Print-Design, Christian ist für Beratung und Konzeption zuständig. Wir ergänzen uns prima und das Kollektiv gibt uns zudem all das, was uns beiden fehlt.

Und wie sieht so ein typischer Arbeitstag bei dir aus? Gibt es das überhaupt?

Bisher ist bei uns jeder Tag anders. Da FREYMUTH und unsere kleine Booking-Agentur HELDENMUTH beide noch sehr jung sind und wir unsere internen Strukturen noch festigen müssen, ist kein Tag wie der andere. Aber im Allgemeinen – wenn wir nicht gerade Termine haben – fahren wir morgens ins Büro und dann gestaltet sich so ein Tag von selbst. Manchmal vergeht die Zeit so schnell, da merkt man gar nicht, dass man schon 12 Stunden oder mehr im Büro ist und arbeitet. Wir haben natürlich den Vorteil, dass wir auch mal eine überlange Mittagspause machen können oder mal einen Tag frei, weil das Wetter so schön ist…Oft arbeite ich auch von zu Hause aus, damit ich an meinen eigenen Projekten – z.B. meinem neuen Blog Schniike-Niike und darüber produzierte Produkte –arbeiten kann. Es gibt Tage, da wünscht man sich etwas mehr Regelmäßigkeit. Andererseits genießen wir aber auch diese Freiheit, selbst zu entscheiden.

Was gefällt dir an deiner Selbstständigkeit am besten?

Ganz klar: Die Abwechslung, Selbstverwirklichung und die Selbstentfaltung. Ich kann immer das tun, was in dem Moment gefühlt das Richtige ist. Natürlich müssen wir gewisse Termine einhalten. Aber bis dahin kann man alles selbst gestalten. Theoretisch kann ich mir auch die Jobs frei aussuchen. Manchmal nimmt man etwas an, weil man auf das Geld angewiesen ist. Aber das ist in den seltensten Fällen so. Wir haben die Freiheit zu sagen, welche Aufträge zu uns passen. Bei FREYMUTH geht es in erster Linie um den Menschen. Also auch um uns. Wir machen nichts, wo wir nicht 100 % hinterstehen. Das ist wahrer Luxus.

Und was gefällt dir am wenigsten?

Hm. Gute Frage. Vielleicht manchmal die finanziellen Schwierigkeiten. Aber: Christian und ich haben uns gemeinsam selbstständig gemacht. Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, unseren Kühlschrank voll zu bekommen. Wenn FREYMUTH oder HELDENMUTH Umsatz machen, dann verdienen wir beide. Machen wir keinen Umsatz, bleibt der Kühlschrank leer. Wir haben nicht die Situation, dass der eine den anderen mal einen Monat auffangen kann…so kommt es aber auch nie zu Streit oder gar Neid. Wir kennen keine Hierarchien und keiner von uns beiden hat die Hosen an in unserer Beziehung. Sowohl beruflich als auch privat passiert alles auf Augenhöhe. Gemeinsam geht man durch Dick und Dünn. Das stärkt und macht Mut!

Was würdest du jemandem raten, der eine Festanstellung hat und super unglücklich in seinem Job ist?

Schwer zu sagen, das kommt immer auf die Situation an: Job wechseln. Bereich wechseln. Kündigen. Umschulung? Selbstständigkeit…Das kann man nur ganz individuell betrachten. Natürlich beraten wir sehr viele genau zu diesem Thema. Dabei sind wir aber immer ehrlich.

Wenn eine Idee für eine Selbstständigkeit nicht ausreichend Potential hat, dann raten wir davon ab oder empfehlen, sie noch reifen zu lassen oder umzustrukturieren und bis dahin besser im Angestelltenverhältnis zu bleiben. Christian zum Beispiel hat vor über einem Jahr einfach zu früh seinen Beruf aufgegeben. Wir sind dann ohne großen finanziellen Background in die Selbstständigkeit gegangen. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis FREYMUTH und HELDENMUTH standen. So lange haben wir gar kein Geld verdient und von Ersparnissen gelebt, die uns jetzt guttun würden. Davon raten wir natürlich jetzt jedem ab.

Bevor man sich selbstständig macht, müssen viele Dinge geklärt sein. Nicht nur die Idee muss stehen. Auch das Finanzielle. Werden alle Kosten gedeckt und macht man am Ende Gewinn? Rechtliche Fragen müssen geklärt sein… und und und. Wenn das alles stimmt und man sich sicher ist, dass die Selbstständigkeit genau das Richtige für einen ist, dann kann es losgehen.

Und was würdest du sagen muss man unbedingt wissen und können, bevor man sich selbstständig macht?

Puh. Ich selbst müsste mich viel mehr mit unseren finanziellen Strukturen auseinandersetzen. Buchführung, Steuerberater, Versicherungen… Ansonsten ist es wichtig, dass man ein gutes Gespür für Menschen hat. Empathie sollte man haben! Egal in welchem Beruf. Man arbeitet immer für und mit Menschen. Das beginnt mit einem Lächeln und einer aufmerksamen und empathischen Haltung. Du darfst nie vergessen, dass Kunden zu dir kommen, weil sie auf dein Fachwissen angewiesen sind. Es ist wichtig, dass sie sich bei dir gut aufgehoben und wertgeschätzt fühlen. Auch wenn Geld eine wichtige Rolle für die eigene Existenz spielt, sollte man niemals nur dafür arbeiten. Dann hat man sich selbst und die Grundidee der Selbstständigkeit verloren und wird sein Glück nie wirklich finden. Wichtig ist, dass man sich darüber im Klaren ist, dass man für alles die Verantwortung trägt. Man muss mit Kritik umgehen können und auch mit schwierigen Kunden. UND: Man sollte auch mit unmöglichen Arbeitszeiten zurechtkommen.

Hast du Lust, ein bisschen von deinen Plänen für die Zukunft zu erzählen? Wovon träumst du?

Gerne. Gerade bin ich dabei, verschiedene Coachings auszuarbeiten. Dazu gehören Sozialkompetenztrainings, Coachings zum Thema Wertschätzung am Arbeitsplatz, Servicekultur und Unternehmenskultur. Aber auch ganz individuelle Coachings und Moderation/Mediation. Zudem möchte ich Tanztheater für Unternehmen anbieten. Mir liegt sehr viel daran, den Menschen darin zu unterstützen, wieder einen Bezug zu sich, seinem Körper und seinen Bedürfnissen zu finden.

Und wenn das Geld dann passt, stehen auch so Dinge wie Hochzeit und Familiengründung an. Später gibt es vielleicht noch ein kleines Haus am Meer (wer träumt nicht davon?!) 😉

Und zu guter Letzt wird es sehr persönlich: Bist du glücklich?

Ich bin definitiv glücklich. Wie jeder andere auch habe ich Höhen und Tiefen in meinem Leben. Ich trage eine Geschichte, eine Vergangenheit auf meinen Schultern. Ich war nicht immer glücklich. Aber ich habe Einiges erreicht in den letzten Jahren, worauf ich sehr stolz bin. Für Viele habe ich einen unbeständigen Lebenslauf. Aber für mich habe ich unfassbar viele Erfahrungen gemacht. Ich habe viel gelernt und dieses Wissen gebe ich gerne weiter. Es macht mich glücklich, anderen bei ihrem Glück zu helfen.

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