Bücher für dich: Work is not a Job von Katharina Bruns

Beruf & Karriere
Buch Work is not a Job

Work is not a Job hat in meinem Leben so viel verändert, dass ich diesen Einleitungssatz hier schon fünfmal neu geschrieben und immer noch nicht in Worte gefasst habe, wie gut ich dieses Buch finde. Ich habe es beinahe jedem in meinem Freundeskreis schon ungefragt empfohlen und vor einiger Zeit in meinem Blogpost „Von der Kunst, anders zu leben & zu arbeiten“ davon berichtet. Dieses Jahr ist mir noch einmal ganz besonders bewusst geworden, was ich da für einen Schatz im Regal habe, deshalb gibt es hier und heute eine ausführlichere Leseempfehlung!

Work is not a Job war vor vielen Jahren eine bahnbrechende Lektüre für mich, weil Katharina Bruns mir in in ihrem Buch bestätigte, was ich schon lange irgendwie ahnte: Dass das klassische Angestelltenverhältnis, fünf Tage die Woche von 9 bis 5, sich nicht nach dem großen Glück anfühlte und -hörte. Aber danach strebten doch alle um mich herum – also war wohl ich das Problem, der „Sonderling“, und nicht das Angestelltenverhältnis. Dachte ich, bis ich dieses Buch in Händen hielt. Es ist ein Plädoyer für mehr Wagen, mehr Glück und mehr Arbeit im Leben. Und Letzteres klingt nur so lange merkwürdig, wie man an der traditionellen Definition von Arbeit festhält.

There is no such thing as work-life balance. Everything worth fighting for unbalances your life. – Alain de Botton

Mir hat es, als ich dieses Buch zum ersten Mal gelesen habe, einfach gut getan, dass ich eben nicht die Einzige bin, die sich von einem Angestelltenverhältnis eingeengt fühlt und der die Sinnhaftigkeit des klassischen Jobs fehlte. Je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze, desto häufiger stolpere ich darüber, wie sehr Menschen aufs Wochenende hinfiebern und sich über den Feierabend freuen. Verständlich – aber ist das wirklich das schöne Leben? Das hab ich mir irgendwie anders vorgestellt. Wie wäre es, fragt Bruns, wenn wir keine Trennung zwischen Arbeit und Privatleben vornehmen, sondern eine Arbeit hätten, die kein Job ist, sondern bei der wir die Zeit vergessen und die wir rundum gern machen? Wie Katharina Bruns schreibt: „Die meiste Zeit unseres Lebens verbringen wir mit Arbeit. Was fängst du mit all dieser Zeit an?“

Die Welt ist dein Spielplatz, nicht dein Gefängnis

Seitdem ich hier auf dem Blog das erste Mal über Arbeit und Karriere geschrieben habe, hat sich bei mir viel verändert. Von meinem selbstständigen Freiberufler-Dasein ging es in die Festanstellung. Ich habe damals geglaubt, geregeltere Arbeitszeiten würden mir guttun, wollte die Möglichkeit haben, mehr Geld zu verdienen und nicht immer für die gleichen Projekte angeheuert zu werden. Abgesehen davon, dass der Job sich schnell als absoluter Albtraum entpuppte, hat sich für mich ganz deutlich bestätigt, was ich schon vorher bei Bruns gelesen hatte: Geld allein stiftet weder Sinn noch Erfüllung. Und die Zeiten, in denen du im Büro körperlich anwesend sein musst, sind vorbei – und damit steht dir eine Welt an Möglichkeiten offen. Digitalisierung ist ein Segen für unsere Unabhängigkeit und neues Arbeiten, und in meinem Fall war sie ein Fluch: Tagein, tagaus saß ich an meinem Rechner und machte meine Arbeit, in einem Großraum mit den 20 anderen Menschen meines Teams, und wenn ich abends den Computer zuklappte, hatte ich kaum mit jemandem gesprochen – bis auf ein bisschen Smalltalk am fancy Lunchbuffet, das man hier im Silicon Valley gegen den Kündigungsschutz eintauscht. Aber das ist eine andere Geschichte. Diese Anwesenheitspflicht war einfach unheimlich frustrierend, weil sie so schrecklich sinnlos war. Wozu verbrachte ich jeden Morgen über eine Stunde im Berufsverkehr? Und plötzlich gehörte ich doch dazu: Im gleichen Business-Kostüm wie alle anderen rannte ich morgens abgehetzt durch die Häuserschluchten und quetschte mich nach der Arbeit vollkommen übermüdet zwischen all die anderen müffelnden Anzugträger in die Sardinendosenbahn, um nach Hause zu kommen.

Und jetzt sitze ich hier wieder mit Work is not a Job und lese. „Nicht jede Information, die uns weiter bringt, muss unbedingt neu sein. Dass es für ein zufriedenes Leben wichtig ist, seinem Herzen zu folgen, ist doch keine Neuigkeit! Es geht darum, zu hinterfragen, warum man sich so sehr von Wahrheiten entfernt, die man offensichtlich schon lange kennt.“

Offenbar ist das traditionelle Arbeiten so sehr in unserer Gesellschaft verankert, dass ich selbst nach fünf Jahren Selbstständigkeit wieder den Faden verloren habe. (Vielleicht ist das aber auch ein spezielles Talent von mir. Sollte ich es jemals herausfinden, werde ich berichten!) Ich lese Teil 1 und 2 des Buches noch einmal, „Prioritäten setzen: Arbeit neu denken“ und „Revolution beginnt im Herzen“. Und es stimmt: Die Perspektive, die Statistiken, die Erfolgsgeschichten von Menschen, die aus dem Büro-Gefängnis ausgebrochen sind, all das kenne ich schon. Ich musste es einfach nochmal und nochmal entdecken.

Weiter geht’s mit dem letzten und dritten Teil, „Die einen nennen es Arbeit. Wir nennen es Leben“. Alles, worauf die Autorin uns in den ersten beiden Teilen vorbereitet hat, wird noch mit einer kräftigen Prise Mut garniert und sehr praktischen Ratschlägen, wie wir uns auf den Weg machen können, um eines Tages morgens voller Tatendrang aus dem Bett zu hüpfen. Es geht darum, seine Talente zu entdecken, zu gestalten, nach dem Glück zu suchen, und zu erkennen, welche Mechanismen uns daran hindern.

Garniert ist das Buch noch dazu mit tollen Illustrationen und Letterings – also auch optisch der perfekte Anreiz, um die Ecke zu denken und kreativ zu sein.

Wenn ihr neugierig geworden seid, findet ihr den Link zum Buch hier: Work is not a Job von Katharina Bruns

Wer ,nicht in die Welt passt‘, der ist immer nahe daran, sich selbst zu finden. – Hermann Hesse

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